„Endlich weiss ich, wer ich bin“ 

Monika Köpfli leitet gemeinsam mit Ihrem Mann Daniel ein Adonia-Gruppenhaus, mit 97 Betten, liebt ihren Garten – und lebte dennoch jahrelang in einer Ehe, die sie innerlich auszehrte. Dann buchte sie das 8-wöchige Resilienztraining der Casa Immanuel, obwohl das Konto auf null war. Was danach geschah, veränderte nicht nur ihr eigenes Leben.

Dienstagvormittag, kurz vor den Ferien. Monika sitzt vor der Kamera – ruhig, klar, offen. Sie ist 53, seit 32 Jahren verheiratet, Mutter und verantwortlich für das Adonia Gruppenhaus Schweizerhof in Alt Sankt Johann. Nach aussen wirkt vieles stabil. Doch innerlich sah ihr Leben lange ganz anders aus.

Ein Buch, das alles ins Rollen brachte

Ins Rollen brachte alles das Buch Nemo zum Thema Versöhnung – ein Geschenk ihres Bruders, der die Casa Immanuel bereits kannte. Monika las es zusammen mit ihrem Mann Daniel. „Es hat direkt zu mir gesprochen. Endlich hatte ich Worte für das, was ich so lange gesucht habe.“ Für sie war schnell klar: Das ist nicht einfach ein gutes Buch. Das ist ein Wegweiser.

„Wir haben probiert zu schweigen, damit die Kinder es nicht merken – aber die merken alles.“

Was sie antrieb, war kein plötzlicher Zusammenbruch, sondern eine jahrelange, leise Erschöpfung. Eine Ehe, in der Liebe da war – und es trotzdem zu tiefen Verletzungen kam. Gespräche, die ins Leere liefen. Finanzielle Sorgen. Und ein Schweigen, das für die Kinder längst lauter war als jeder Streit. “Wir haben funktioniert, als wäre alles in Ordnung. Aber die Spannungen waren stets spürbar”, erinnert sich Monika.

Ich mag nicht mehr warten 

Eheberatung war der erste Schritt. Als die Beraterin schliesslich das 8-wöchige Resilienztraining empfahl, zögerte Monika nicht. Obwohl der Sommer vor der Tür stand. Obwohl der Garten wartete. Obwohl das Geld fehlte. „Ich wollte nicht länger warten. Ich war innerlich so leer – ich musste da durch.“

Für den Kurs brauchten sie finanzielle Unterstützung. Monika startete zuerst, Daniel folgte im Herbst. Ein mutiger Schritt – und ein entscheidender.

Identität gefunden – zum ersten Mal 

Im Kurs geschah etwas Unerwartetes: Monika blickte zum ersten Mal bewusst auf ihre eigene Geschichte. Auf eine Kindheit mit einem schwierigen Vater. Auf fehlende Liebe und Schutz. Auf Prägungen, die sie unbewusst in ihre Ehe mitgenommen hatte.

Zum ersten Mal weiss ich wirklich, wer ich bin.  

Und mitten in diesem Prozess fand sie etwas, das ihr lange gefehlt hatte:
«Ich habe meine Identität gefunden. Zum ersten Mal weiss ich wirklich, wer ich bin. Ich durfte eine mega tiefe Liebe vom (himmlischen) Vater erleben. Einfach sein dürfen, empfangen dürfen. Ich war wie ein trockener Schwamm, der nun mit Leben gefüllt war.»

Das veränderte ihren Blick auf sich selbst grundlegend. Sie fühlte sich nicht länger schutzlos – weder ihrem Mann noch ihren Eltern gegenüber. Sie kennt heute ihren Wert und weiss sich unter Gottes Schutz. Für Monika ist klar: Dieser Weg begann in der Casa Immanuel.

Eine Ehe, die neu gebaut wird

Die Veränderung kam nicht als grosses Drama, sondern als stiller, konsequenter Neuaufbau. Monika und Daniel begannen, anders miteinander zu reden – ohne sich sofort angegriffen zu fühlen. Sie lernten, Bedürfnisse auszusprechen, statt sie wegzudrücken. Etwas, das über Jahrzehnte kaum möglich gewesen war. „Wir hatten uns falsche Muster über Jahre eingeprägt.“

«Die Zeit in der Casa war die wertvollste in meinem Leben.»

In den ersten Monaten danach feierten sie regelmässig gemeinsam Abendmahl – als Zeichen von Loslassen, Vergebung und Neuanfang. „Wir haben so viel Falsches gelernt. Und wir brauchten immer wieder Vergebung.“ Heute bauen sie ihre Ehe neu. Langsam, ehrlich und mit Gott als Fundament. Rückblickend meint sie, die Zeit in der Casa war die wertvollste in ihrem Leben.

Wenn Heilung Wellen schlägt

Was Monika nicht erwartet hatte: Ihre eigene Heilung setzte auch in ihrem Umfeld etwas in Bewegung. Die Tochter liess sich neu taufen. Der Schwiegersohn fand zum Glauben. Im Frühling folgte auch der jüngste Sohn. „Es war, als würden verstopfte Leitungen frei. Plötzlich kam alles wieder ins Fliessen.“

Für Monika ist das mehr als eine schöne Entwicklung. Es ist geistliche Realität. Gerührt sagt sie: „Wenn Gott einen Weg freimacht, wirkt das weiter – bis in die nächste Generation. Wir haben begonnen, alte Bindungen zu durchtrennen. Und jetzt wächst eine neue Generation mit neuem Segen.“