«Ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass ich wirklich bei mir ankomme.»
Elia Nathanael Sulz, 19 Jahre | In London geboren, aufgewachsen am Bodensee. Besucht heute das Internat Zinzendorf und bereitet sich auf das Abitur vor.
Elia, stell dich kurz vor: Wer bist du, und was hat dich zu uns geführt?
Ich bin in London geboren, bin dann aber früh an den Bodensee gezogen – das ist eigentlich meine Heimat. Bis zur siebten Klasse lief die Schule gut, dann bin ich nach Konstanz ans Gymnasium gewechselt. Und damit fingen die Probleme an: tägliches Pendeln, manchmal drei Stunden, dazu Corona, das Handy, immer weniger Schlaf. Irgendwann bin ich einfach nicht mehr mitgekommen – in der Schule, aber auch bei mir selbst. Ein Psychiater hat mir dann von der Casa Immanuel erzählt. Er meinte, das passt gut zu mir. Und er hatte recht.
Was hat sich in der Zeit vor deinem Kommen am meisten zugespitzt?
Ich habe gemerkt, dass ich immer weniger Konsequenzen spürte – in der Schule, aber auch zuhause. Durch Corona gab es plötzlich keinen Rahmen mehr, keine klare Struktur. Ich habe Stunden geschwänzt, Aufgaben liegen lassen, mich irgendwann einfach immer weiter weggeduckt von dem, was kommen musste. Und dann habe ich zweimal dasselbe Schuljahr nicht geschafft – damit war für mich das Gymnasium in Deutschland vorbei. In dieser Zeit war ich auch kurz in psychiatrischer Abklärung. Der Arzt stufte mich als leicht depressiv ein und empfahl die Casa Immanuel. Ich war davor skeptisch, ich gebe es zu. Aber das hat sich sehr schnell geändert, als ich wirklich dort war.
«Ich war plötzlich ausserhalb des Kampfes. Ich musste nicht mehr jeden Tag die Frage beantworten, wie es mit der Schule weitergeht – ich konnte einfach mal durchatmen und nachdenken.»
Was hat dir die Zeit in der Casa konkret gegeben?
Erstens dieser Abstand. Ich war raus aus dem alten Stress und konnte endlich klarer denken. Dann die täglichen Gespräche – dass jemand wirklich fragt, wie es mir geht, nicht nur, wie meine Noten sind. Und dann der Resilienzkurs. Das war für mich der Hammer. Nicht weil jedes Thema sofort zu mir gepasst hat, aber ich war eingebunden, hatte Struktur, war in einer Gruppe. Danach hatte ich oft so ein Gefühl von Hoffnung und frischer Energie – und dann einfach keine Lust mehr auf stundenloses Scrollen.
Du lebst jetzt im Internat und machst dort die Schule. Wie läuft es?
Richtig gut, ehrlich gesagt. Das ist das erste Mal, dass ich direkt neben der Schule wohne – kein Pendeln, kein Stundenverlieren unterwegs. Meine Ansprechperson hat mir geholfen, einen Wochenplan zu erstellen. Das klingt simpel, aber für mich war das neu. Ich habe das vorher nie für mich gemacht. Und seit letztem Herbst, sind meine Noten schlagartig besser geworden. Ich glaube, ich habe endlich wirklich verstanden, worum es für mich geht. Da hat es Klick gemacht.
Ihr habt die Kosten für die Casa zu dritt getragen – dein Vater, du selbst und die Casa Immanuel. Wie hast du das erlebt?
Ich finde das bis heute krass – im besten Sinn. Es wäre finanziell auch anders gegangen, aber dass die Casa Immanuel selbst einen Teil übernimmt, das sagt etwas über das, was die Institution ist. Das ist nicht wie ein normales Unternehmen. Da merkt man: Es geht wirklich um die Person, nicht um das Geld dahinter. Das hat mich bewegt.
«Die Casa lebt auf einer ganz anderen Basis als andere Institutionen. Das spürt man – wie sehr dort auf die einzelne Person eingegangen wird. Das ist faszinierend.»
Was nimmst du mit – und was willst du aus dem Leben machen?
Ich nehme mit, dass es nicht reicht, Dinge zu wissen – man muss sie auch wirklich verstehen und leben. Und dass ich Struktur und ein bisschen äusseren Druck brauche, das ist keine Schwäche, das ist einfach so. Das habe ich akzeptiert. Nach der Schule würde ich sehr gerne Geschichte studieren, vielleicht in Konstanz. Davor interessiert mich das Masters Commission-Programm – eine Art Bibelschule, wo Gemeinschaft und Glaube im Mittelpunkt stehen. Das ist mir wichtig.
Danke für deine Offenheit, Elia!