Geprägt – aber nicht festgelegt

Ich staunte nicht schlecht, als ich neulich mit einem Medienbericht in 20 Minuten in Berührung kam, in dem Leserinnen und Leser ihre Beziehung zu ihrem eigenen Vater beschrieben und ganz offen über emotionale Distanz und die Folgen aus ihrem eigenen Leben erzählten. Mehrere machten deutlich, dass sie in ihrem heutigen Verhalten ihren Vater wiedererkennen. Nebst den guten Eigenschaften, die uns unsere Väter mitgegeben haben, ist es schon ernüchternd zu sehen, wie fehlende Nähe, Leistungsdruck oder das Gefühl, nie wirklich gesehen worden zu sein, tiefe Spuren hinterlassen können. Sie prägen unser Denken, unsere Beziehungen und zweifellos unseren Blick auf uns selbst. Doch Prägung ist nicht Bestimmung.

Ja, unsere Geschichte beeinflusst uns. Aber sie muss nicht unser endgültiges Kapitel schreiben. Gerade darin liegt Hoffnung: Als erwachsener Mensch habe ich die Möglichkeit, bewusst hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege zu gehen. Ich darf lernen, meine Verletzungen nicht weiterzugeben, sondern mich mit meiner Geschichte zu versöhnen. Ich darf entdecken, dass in mir mehr Potential steckt als alte Muster, Enttäuschungen oder Rollenbilder.

Es berührt mich immer wieder zu sehen, wie Menschen beginnen, ihre Geschichte neu zu schreiben. Auch immer mehr Männer haben den Mut sich in diesem Thema nahbar und spürbar zu machen und in ein neues positives Vaterbild hineinzuwachsen, dass von Präsenz, Verantwortung und Beziehung geprägt ist.

Die Vergangenheit erklärt vieles, aber sie entscheidet nicht über deine Zukunft. Du darfst wählen, in welche Richtung du gehen möchtest.

PS: Vielleicht berührt dich das Thema auch. Diesen Sommer laden Daniel Linder, Stefan Fankhauser und ich zur Männerwoche vom 27. Juni bis 4. Juli ein – wir freuen uns, wenn auch du dabei bist.
Heb diar Sorg

Nino