Stiftung Casa Immanuel - erfüllt Beziehung leben.

Mal ehrlich, wie geht es dir, Claudio?

Ganz ehrlich: Ich bin gerade in einer tiefen und guten inneren Bewegung. Ein Prozess, der mich klärt, fordert und gleichzeitig beschenkt.

Bevor ich zur Casa kam, war mein Weg bereits ungewöhnlich: Von der IT-Branche entwickelte ich mich Schritt für Schritt zum Gesangscoach und Profimusiker – bis ich Ende 2004 in ein Burnout geriet. Ich habe mich in meinen eigenen Ansprüchen und Erwartungen verloren. Diese Erfahrung war dermassen einschneidend, dass ich die Musik an den Nagel hängte und verschiedene andere berufliche Wege einschlug. Durch die Aufarbeitung meiner Biografie erwachte in mir langsam eine leise, aber starke Leidenschaft für Beratung.

2015 war es soweit:

Ich wurde in der Stiftung Casa Immanuel angestellt. Ich war überzeugt, dass ich nun vor allem als Lebensberater arbeiten würde – und dass die Musik einfach ein schönes Hobby bleibt. Rückblickend sehe ich, wie sehr ich sie damals unbewusst «degradiert» habe. Ich gab ihr einen zu kleinen Platz, weil ich glaubte, das sei professioneller, vernünftiger, erwachsener. Mir war nicht bewusst, dass ich damit auch einen wesentlichen Teil von mir leiser stellte.

Ich studierte Supervision und Coaching und begann ein weiteres Studium zum Thema Achtsamkeit und Beratung. Dann entschied ich mich, 2023 die Rolle zu wechseln und als Teilnehmer ein 8-Wochen-Resilienztraining bei uns in der Casa zu absolvieren. Weil ich merkte, dass sich bei mir feiner Sand im Getriebe angesammelt hatte. Ich wollte wieder klar laufen, innen und aussen.

Dieses Training wurde zu einem Wendepunkt.

Ich realisierte nicht nur, dass Musik für mich zentral ist, sondern warum ich sie über Jahre ins Hobbyfach geschoben hatte. Diese Erkenntnis führte mich bis in meine früheste Kindheit zurück und öffnete Zusammenhänge, die mir so noch nicht bewusst waren. Das war sehr berührend und gleichzeitig klärend. Damit stellte sich eine grundlegende Frage:

Bin ich überhaupt noch am richtigen Platz?

Es war herausfordernd, das auszuhalten. Ein Ringen darum, Prioritäten neu zu ordnen, ohne gleich alles infrage zu stellen. In den vergangenen zwei Jahren lernte ich nochmals viel über mich selbst. Ich begann, meiner musikalischen Eigenart wieder mehr Gewicht zu geben und jene alten Sätze zu verabschieden, die mir heimlich diktierten, «wie man zu sein hat». Und genau auf diesem Weg wurde mir etwas Entscheidendes bewusst:

Mein Musikerherz ersetzt meinen Beratungsauftrag nicht – es macht ihn aus.

Die Musik ist nicht ein Zusatz, sondern ein Raum, in dem die Quelle hörbar wird. Sie schenkt mir die Tiefe, die Wahrnehmung, die Freiheit, die ich in der Beratung und im Coaching weitergebe. Sie definiert meine Arbeit nicht neu im Sinn eines grundlegenden Wechsels – sondern im Sinn eines Heimkommens.
Seitdem hat sich viel bewegt. Ich stehe wieder etwas mehr auf der Bühne, und es tut mir gut. Ich muss nicht mehr performen, sondern klinge und wirke einfach. Ohne den inneren Stress, den ich früher oft hatte. Gleichzeitig schärft sich meine Arbeit als Stimm- und Embodiment-Coach – geprägt von meiner eigenen Geschichte und von all den wertvollen Beobachtungen, Begegnungen und Erfahrungen aus meinen Beratungsjahren. Ich sehe heute noch viel klarer, wie Körper, Atmung und Stimme zusammenspielen – und wie sich etwas löst, wenn es hörbar, spürbar und ausdrückbar wird. Das begeistert mich, und genau hierfür schaffe ich einen sicheren Rahmen.

Stotterfrei in zehn Sekunden?

Ein Vater kam einmal mit seiner zehnjährigen Tochter zu mir, die stotterte. Sie singt sehr gerne. Und während sie mit mir ein paar Lieder sang, verschwand ihr Stottern in diesen Momenten vollständig.
Ich erlebe viele solche berührenden Momente, auch wenn es bei Erwachsenen etwas mehr Geduld und Ausdauer braucht, bis sich gewisse Wirkungen entfalten. Aber ich hatte es bis jetzt – ganz ehrlich – noch nie mit jemandem zu tun, bei dem ich nicht erlebt hätte, wie lohnenswert diese Arbeit ist.

Wie es mir heute geht?

Ich bin dankbar. Gereift. Lebendiger.
In einer guten Bewegung zwischen Musik, Beratung und persönlichem Wachstum.
Und ich freue mich darauf, Menschen mit genau dieser Mischung weiter begleiten zu dürfen – aus meinem Herzen, meiner Geschichte und meiner Berufung heraus. Auf der Bühne, neben der Bühne – und auch auf inneren Bühnen.

Vielleicht kennst du solche Themen auch. Wenn du darüber ins Gespräch kommen möchtest – ich bin da.