Mal ehrlich, wie geht es dir, Eliane?
Eliane Breitenmoser war die letzten 15 Monate teil von unserem Team. Sie absolvierte das Resilienzjahr und per Ende September verabschieden wir sie und sie zieht weiter. Bereits im Frühjahr hat sie im Rahmen unserer Rubrik „Mal ehrlich, wie geht es dir?“ einen persönlichen Bericht verfasst. Zum Abschluss ihres Resilienzjahres und gleichzeitig zum Abschied von der Casa Immanuel blickt sie nochmals zurück und teilt mit uns, was sie auf ihrem Weg über Leidenschaft und Leiterschaft gelernt hat.
Im Newsletter Ende Mai habe ich in der Rubrik «Mal ehrlich, wie geht es dir?» von meiner Erfahrung mit der Blumen- und Pflanzengestaltung rund um die Casa Immanuel erzählt.
Die Geschichte ging weiter. In der Zwischenzeit habe ich mein Resilienzjahr bis Ende September verlängert und somit ging auch das Projekt mit den Blumen und Pflanzen weiter.
Mir wurde bewusst: Wenn mir etwas anvertraut und auch zugetraut wird, dann kann sich echte Leidenschaft entwickeln. Das Projekt wurde mir so wichtig, dass ich sogar bereit war, die Pflanzen auch am Wochenende giessen zu kommen, damit sie den heissen Sommer überstehen. Das war für mich selbstverständlich und gar keine Frage. Auch nach meinen Ferien war es fast meine erste «Amtshandlung», von Topf zu Topf zu laufen und zu schauen, wie es den Pflanzen geht und was wieder Schönes blüht.
Beeindruckend war das Wachstum der Sonnenblumen, die ich Mitte Mai gesät hatte. Mitte August waren daraus über zwei Meter hohe, blühende Sonnenblumen geworden, die sich noch weiter in den Himmel räkelten. Die Multiplikation war richtig sichtbar und einfach eine grosse Freude!
Irgendwann teilte Karin Fahrni, Leiterin Hauswirtschaft, einen beobachtenden Gedanken mit mir, der mir so nicht bewusst gewesen war:
«Gell Eliane, ich erwarte von dir nicht, dass du nebst deiner offiziellen Arbeitszeit in der Hauswirtschaft, die Pflanzen auch sonst noch pflegst! Ich überlasse es dir, wenn du dies wirklich willst.»
In allem wurde uns bewusst, dass dieses Projekt mehrere Faktoren beinhaltet und wir alle einiges daraus gelernt haben:
Um Leidenschaft entwickeln zu können, braucht es einen Spielraum von Sicherheit und Freiheit. Beides wurde mir gegeben: Ich konnte jederzeit mit allen Fragen zu Karin gehen und gleichzeitig gab sie mir freie Hand bei der Wahl der Blumen und Pflanzen innerhalb eines Budgetrahmens.
Auch Karin selbst hat diesen Prozess reflektiert:«Als Leiterin sehe ich oft, wo in Menschen Leidenschaft entstehen könnte. Doch damit sie sich entfalten kann, braucht es die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen», sagt sie – und ergänzt:«Elianes Weg zeigt, wie viel möglich wird, wenn Menschen Raum erhalten, sich auszuprobieren, Verantwortung zu tragen und ihre Leidenschaft zu entdecken. Sie hat sich mit Herzblut und vollem Einsatz in dieses Projekt eingebracht und es von Anfang bis Ende geprägt. Ihre Erfahrung zeigt, wie wichtig es ist, Raum zugeben, sich auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Leidenschaft zu entdecken und zu entfalten.»
Monika, die Geschäftsführerin, meinte beim Betrachten meiner Holzkisten-Kombination: «Ich selbst würde heute nicht mit diesen Holzkisten dekorieren, denn sie waren die Ausstattung meiner ersten Wohnung und wecken bei mir Erinnerungen an eine frühere Zeit. Doch es passt gut zur Casa und ist einmal etwas Neues. In diesem Sinn gefällt es mir, denn ich spüre dein Herz in dieser Dekoration. Ich habe nicht den Anspruch, dass mir als Leiterin alles in der Casa gefallen muss. Wenn eine Leitung nicht versteht, dass ihr nicht alles entsprechen muss, wird sie früher oder später ihre leidenschaftlichen Mitarbeitenden verlieren.»
Ich habe durch dieses Projekt erlebt:
Es gibt Leidenschaft, die ab und zu auch Leiden schafft, die einen aber ebenso beflügelt und über sich hinauswachsen lässt. Leidenschaft wächst dort, wo Verantwortung fordert statt überfordert und Selbstwirksamkeit möglich wird.