Mal ehrlich, wie geht es dir Eliane?

Eliane absolviert derzeit das Resilienzjahr, das im Juni zu Ende geht. In diesem ehrlichen Bericht beschreibt sie, wie ihr kleine Schritte, gelebte Gemeinschaft und ihr Glaube helfen, Herausforderungen zu meistern und mutig vorwärtszugehen, auch dann, wenn noch nicht alles sichtbar ist.

An der Casa Immanuel schätze ich, dass man Teil des Teams ist, Verantwortung übernimmt und mitgestalten darf. Immer wieder entstehen daraus ganz praktische Situationen, die einen persönlich weiterbringen.  

Ich befinde mich in einer sehr bewegten Zeit. Das Resilienzjahr war intensiv, gleichzeitig durfte ich in dieser Zeit auch viele schöne und unvergessliche Erlebnisse machen. Eines davon möchte ich gerne teilen.

Ich habe kürzlich Jesus gebeten, mir vermehrt in Alltagssituationen zu begegnen und so zu mir zu sprechen. Ich merke, dass mein Glaube dadurch greifbarer wird und ich in konkreten Momenten darauf zurückgreifen kann. 

Eine solche Situation möchte ich erzählen, weil sie gerade sehr gut zu meinem Leben passt und mich angesprochen hat: Ich wurde angefragt, ob ich die Fensterbänke und Eingangsbereiche gestalten möchte. Anfangs spürte ich, wie der Gedanke an Erwartungen an mich selber sowie vielleicht von aussen in mir Druck auslösten. Am liebsten hätte ich abgesagt, um mich der Verantwortung nicht stellen zu müssen. In der Auseinandersetzung mit mir merkte ich, dass ich mich darauf einlassen darf, weil ich darin etwas lernen werde.

Wenn ich mir erlaube, Schritte zu gehen, ohne bereits das ganze Ziel zu kennen, werde ich freier und weniger eingeschränkt. 

Beim ersten Blumeneinkauf war ich dann etwas überwältigt von der grossen Auswahl an Pflanzen und Blumen und einige Fragen gab es zu bewegen: „Welcher Standort und welche Farben sind geeignet?“ oder „Wollen wir etwas mehrjähriges oder saisonales?“ Zuerst fühlte ich mich überwältigt gleich für alle Plätze und Töpfe die passenden Pflanzen auszuwählen.  

In diesem Moment nahm ich innerlich eine leise Stimme wahr: „Nimm dir doch einfach ein Teilprojekt vor, wie z.b. die vier Fensterbänke und dann schliesse diesen Abschnitt ab. Plötzlich wirkte alles viel überschaubarer. Ich hatte in kurzer Zeit ein Erfolgserlebnis und gleichzeitig entstand rund ums Haus sichtbar Leben. 

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass es in meinem Leben oft genauso ist. Grosse Schritte und bedeutende Entscheidungen schiebe ich gerne vor mir her – aus Unsicherheit oder Überforderung. Doch dadurch passiert nichts, ja es belastet eher. Wenn ich jedoch beginne, grosse Themen in kleinere Etappen aufzuteilen und Schritt für Schritt vorzugehen, komme ich vorwärts. Genau das hat mich im Herzen berührt. 

Ich stehe also gleichzeitig in diesem konkreten Projekt und in einem persönlichen Prozess, in dem ich lernen darf, dass etwas werden darf – ohne zu wissen, wie alles ausgehen wird. Und dennoch wächst in mir eine Freude über das, was sich entwickelt.  

Das Bild der Bepflanzung ist für mich passend: Leben entsteht dort, wo Bewegung ist. Wenn ich mir erlaube, Schritte zu gehen, ohne bereits das ganze Ziel zu kennen, werde ich freier und weniger eingeschränkt.