Stiftung Casa Immanuel - erfüllt Beziehung leben.

«Mal ehrlich, wie geht es dir, Katharina?»

Katharina Faatz ist jung, flippig und bringt frischen Wind ins Team. Mit ihrer Energie und ihrem Elan bereichert sie den Arbeitsalltag in der Casa. Nach ihrem Studium als Wirtschaftsingenieurin absolviert sie derzeit das Resilienzjahr und hat bereits fast die Hälfte erfolgreich gemeistert.

“Mal ehrlich, wie geht es dir, Katharina?
Poah… ich würde sagen: Es ist eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle. Es gibt Phasen, in denen ich mich getragen fühle, als würde ich leicht und voller Freude durchs Leben gleiten. Und dann gibt es Momente, in denen alles unglaublich schwer wirkt. In solchen Zeiten muss ich gut auf mich achten, damit ich nicht in dieser Schwere versinke, sondern ihr bewusst einen Rahmen gebe und sie an Jesus abgeben kann.

Kennst du dieses Gefühl der emotionalen Achterbahnfahrt von früher oder zeigt es sich erst jetzt im Prozess?
Das kenne ich sehr gut. Ich würde sogar sagen, mein ganzes Leben war eine Achterbahnfahrt, früher vielleicht sogar extremer als jetzt. Damals hatte ich allerdings nicht diese intensiven Momente der Freude. Stattdessen bin ich oft in eine übertriebene Aktivität geflüchtet, ohne wirklich tiefe innere Freude zu spüren. Das begleitet mich schon lange, diese Tendenz zur Überaktivität. Trotzdem hat das, was ich gerade erlebe, viel mit meinem aktuellen Prozess zu tun. Wenn schmerzhafte Themen hochkommen, spüre ich zunächst eine Schwere, aber ich merke, dass ich immer besser damit umgehen kann.

Als du 2023 das erste Mal in der Casa warst, war für dich klar, dass du diesen Entwicklungsweg weiterverfolgen möchtest. Wie nimmst du das heute wahr?
Ja, das war damals schon gesetzt, und ich habe es bis heute nicht infrage gestellt. Trotzdem komme ich in den letzten Wochen immer wieder an den Punkt, an dem ich mich frage: Wie weit will ich eigentlich gehen? Allein, dass ich mir diese Frage stelle, zeigt mir, wie gut es mir insgesamt geht.

Es geht darum, was ich wirklich will und welchen Weg ich einschlagen möchte.

Wie erlebst du die Zeit in der Casa?
Ich finde es immer wieder schön hier. Einige meiner schönsten Momente erlebe ich in einfachen Situationen, zum Beispiel in der Küche, als ich Birnen schälen und einkochen durfte. Dieses Ursprüngliche, Lebensmittel haltbar zu machen, war für mich ein ganz besonderer Moment. Ähnlich ging es mir gestern, als ich in der Hauswirtschaft geholfen habe und danach eine tiefe Freude gespürt habe.

Siehst du eine Verbindung zwischen deinem Sehnen nach dem Ursprünglichen und deinem aktuellen Prozess?
Ja, definitiv. Diese Sehnsucht begleitet mich schon lange und hat viel mit meiner Großmutter zu tun. Sie hatte einen Hof, auf dem die Wäsche noch draussen aufgehängt wurde, alles selbst gekocht wurde, und wir als Familie oft gemeinsam gegessen haben. Sie war nicht rückständig, sondern ging mit der Zeit – aber auf eine einfache, mütterliche Weise. Bei ihr habe ich mich angenommen gefühlt, so wie ich bin. Diese bedingungslose Annahme verbinde ich stark mit dem Ursprünglichen. Wenn Menschen mir von ihrem tiefsten Inneren erzählen, fasziniert mich das total. Was meine Großmutter gelebt hat, spricht etwas in mir an, es hat viel mit meiner Identität und meinem Weg mit Gott zu tun.

Was sind deine Wünsche für die Zeit im Resilienzjahr?
Ganz einfach: Ich möchte ruhiger werden, mehr innere und äußere Struktur in mein Leben bringen, organisierter sein und gleichzeitig lebendig bleiben.

Erlebst du das hier im Resilienzjahr?
Ja, absolut, vor allem in diesen einfachen Momenten.

Du hast deine Heimat Deutschland verlassen und bist zu uns in die Schweizer Berge gekommen. Wie geht es dir damit?
(lacht) Sehr gut! Ich brauche einen tiefen Sinn im Leben und den habe ich hier gefunden. In Deutschland habe ich ihn nicht gespürt. Ich bin gerne dort, aber im Moment ist mein Platz hier.

Möchtest du zum Abschluss noch etwas sagen?
Ja, ich kann von Herzen sagen: Grundsätzlich geht es mir sehr gut. Das hier ist genau mein Weg und genau mein Ort.

Das Interview führte Philipp Schwegler