Vergiss dein nicht, oder, wie lieb hast du dich?
Selbstfürsorge, Selbstwertschätzung, Selbstmanagement, Achtsamkeit – diese Modewörter sind zurzeit in aller Munde. «Wieso soll ich mich damit noch ein weiteres Mal auseinandersetzen?», dachte ich. Und dann sogar noch einen Kurs in der Casa Immanuel mitleiten?
Meine Wahrnehmung war, dass ich mich selbst schon ziemlich gut kenne und einen guten Zugang zu mir habe, doch dann hat Gott-Vater mir gezeigt, dass da noch viel mehr möglich ist. Mit Staunen und Dankbarkeit blicke ich auf viele kleine und große Momente der letzten Wochen zurück. In dieser Zeit habe ich einen neuen, tieferen Zugang zu mir selbst und meinen Gefühlen gefunden – und vor allem gelernt, besser mit ihnen umzugehen.
Eine Frage, mit der ich mich immer wieder auseinandergesetzt habe, ist folgende: «Geht es bei diesem 'sich selbst gern haben' nicht einfach darum, mehr das zu tun, was ich großartig finde, mich darin besser kennenzulernen, mehr Zeit mit mir selbst zu verbringen, mich ernst zu nehmen und anderen auch Grenzen zu setzen?» Ja, ich denke, das ist ein erster Teil dieses «wie lieb habe ich mich».
In den letzten Jahren habe ich erkannt: Wenn ich mich selbst ernst nehme, zeige ich mich meinem Gegenüber auf einer persönlichen Ebene. Dies war sicherlich eine gute und wertvolle erste Erkenntnis, doch in der tieferen Auseinandersetzung mit mir selbst erlebe ich nun Gefühle, die aus teilweise verschütteten Bedürfnissen kommen. Diese Gefühle sind nicht nur angenehm, und ich kann sie auch nicht immer "wegdrücken". Doch sie gehören ebenfalls zu mir und machen mich im Hier und Jetzt aus.
Immer mehr erlebe ich solche Momente, wo die Verbindung von meinem Kopf zu meinem Herzen und in meinen Bauch wirklich frei schwingt, wie die Saite eines Instrumentes. Es erscheint mir wie der Klang meiner ureigenen Melodie. Durch dieses freie Zusammenspiel meines Verstandes, meiner Gefühle und meiner Intuition bin ich bereit, mit dem Gegenüber in Beziehung zu treten und mich mit meinem ganzen Sein darauf einzulassen.
Sehr berührt von dieser neuen Erkenntnis freue ich mich, dass mein Lebenslied nun noch vielseitiger und abwechslungsreicher mit meinem Gegenüber erklingt.
Yvonne Rutz