Von der Sehnsucht zur Verantwortung

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden habe ich mich gefragt: Was hat mich selbst vor zehn Jahren eigentlich dazu bewegt, in die Casa Immanuel zu kommen? Und warum bin ich bis heute geblieben? Wenn ich darüber nachdenke, merke ich: Meine Antwort beginnt nicht bei einem Stellenprofil oder den klassischen Vorteilen eines Arbeitsplatzes. Sie beginnt bei einer tiefen Sehnsucht.

Damals beschäftigten mich Fragen wie: Wer bin ich eigentlich wirklich? Wie geht das überhaupt, wirklich ich selbst zu sein und das zu leben, was in mir steckt, obwohl doch so vieles in mir blockiert ist? Und wozu bin ich überhaupt auf dieser Welt?

In einer persönlichen Krise wurden diese Fragen unausweichlich. Ich spürte, dass ich nicht länger einfach nur funktionieren wollte. Ich wollte herausfinden, wer ich wirklich bin und was mein Leben ausmacht.

Ich brauchte Menschen, die bereit waren, sich gemeinsam mit mir auf die Suche zu machen.

Hoffnung statt einfacher Antworten

Zwei Jahre bevor ich Mitarbeitender wurde, kam ich selbst als Ratsuchender in die Casa Immanuel. Was mich dort berührte, war die Echtheit der Menschen. Sie kannten Herausforderungen, Brüche und Schmerzen aus ihrem eigenen Leben und hatten dabei entdeckt, dass ihre Geschichte nicht das letzte Wort über sie sprechen muss.

Sie gaben mir nicht einfach Antworten. Sie gaben mir Hoffnung. Zum ersten Mal begann ich zu glauben, dass in mir mehr steckt, als ich selbst sehen konnte. In mir wuchs die Sehnsucht, dem auf die Spur zu kommen.

Mehr als ein Arbeitsplatz

Zwei Jahre später entschied ich mich, in der Casa Immanuel mitzuarbeiten. Das war für mich nicht einfach ein Stellenwechsel. Es war die Entscheidung, dieser Sehnsucht weiter zu folgen.

Die Casa Immanuel wurde für mich zu einem Ort, an dem ich mich nicht nur einbringen und etwas bewirken, sondern gleichzeitig selbst weiterwachsen durfte. Schritt für Schritt konnte ich mehr Verantwortung übernehmen und entdeckte dabei auch Seiten und Fähigkeiten an mir, die ich selbst lange nicht gesehen hatte. Dass ich einmal Verantwortung in der Geschäftsleitung übernehmen würde, konnte ich mir damals nicht vorstellen.

Genau das macht die Casa Immanuel für mich zu mehr als einem Arbeitsplatz. Hier arbeiten Menschen, die selbst auf dem Weg sind und das weitergeben, was sie dabei erfahren haben. Was mir damals an Hoffnung geschenkt wurde, darf ich heute an andere weitergeben.

Ein Weg, der sich gelohnt hat

Natürlich gab es Herausforderungen, und dieser Weg hatte auch seinen Preis. Was ich dafür gewonnen habe, ist für mich aber unbezahlbar. Immer freier ich selbst zu sein und das zu leben, was Gott in mich hineingelegt hat, ist für mich ein sehr grosses Geschenk.

Wenn ich heute nochmals vor derselben Entscheidung stehen würde, würde ich diesen Schritt darum wieder wagen.

Vielleicht auch dein Weg?

Vielleicht trägst auch du diese Sehnsucht in dir: wirklich bei dir anzukommen. Zu entdecken, wer du bist, was in dich hineingelegt wurde und wofür du deine Fähigkeiten und dein Leben einsetzen möchtest.

Wenn ich heute auf meine letzten zehn Jahre zurückblicke, bin ich vor allem dankbar für diesen Weg und für all das, was ich darauf entdecken und gewinnen durfte.

Michael Schmälzle, Mitglied der Geschäftsleitung, Leitung Verwaltung und Betrieb