Zukunftswerkstatt
Was Menschen heute wirklich brauchen – und wie wir uns darauf vorbereiten
Die Welt ist lauter geworden. Voller, schneller, anspruchsvoller. Und mittendrin: Menschen, die suchen. Nach Halt. Nach Verbindung. Nach sich selbst. Wir setzen uns auseinander. Was passiert gerade?
Wie wir vorgegangen sind
In einer Zukunftswerkstatt sind wir der Frage nachgegangen, die uns bewegt: Wie können wir Menschen in ihren Herausforderungen und Nöten begegnen? Was brauchen sie – und wie können und wollen wir sie unterstützen? Dazu haben wir Studien zu gesellschaftlichen Entwicklungen in der DACH-Region ausgewertet, Mitarbeitende befragt und Menschen einbezogen, die die Casa Immanuel kennen. Mit Kreativ-Methoden wie Design-Thinking-Methoden und echtem Teamwork entstand so ein Bild, das uns noch immer bewegt.
Wir waren schon immer ein Ort für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen: für jüngere und ältere Alleinstehende, Paare, für Senioren sowie für Menschen, die eine Auszeit brauchen, sich in Übergängen befinden oder Halt in Krisen suchen. Das bleibt. Gleichzeitig wächst unser Wunsch, noch gezielter auf Menschen zuzugehen, die wir bisher weniger gut erreichen. Zwei Gruppen standen dabei besonders im Fokus: jüngere Erwachsene sowie Paare und Eltern. Um ihre Perspektive besser zu verstehen, haben wir uns bildlich vorgestellt, wer sie sein könnten.

David, 25. Er funktioniert – aber er trägt viel allein.
Zwischen Leistungsdruck, Social-Media-Vergleich und dem permanenten Gefühl, nicht zu genügen, verlieren viele junge Menschen den inneren Halt. Erschöpfung ohne klare Ursache. Einsamkeit trotz voller Kontaktliste. Identitätsfragen, die verdrängt werden, statt Antworten zu finden. Und als Ventil: das Handy, das Gaming, der Rückzug.
Was David braucht, ist nicht ein weiteres Programm. Er braucht echte Begegnung. Einen Ort, wo er nicht performen muss.
Aus unserer Werkstatt entstanden drei mögliche Antworten darauf:
Gemeinschaft & Räume – offene «Wohnzimmer-Treffen» mit Gleichaltrigen, punktuell auch digital, ein Kaffee oder Sorgentelefon als niederschwellige Anlaufstelle sowie Wohngemeinschaftsmodelle. Dort lernen jüngere Menschen, Beziehungen auf Augenhöhe zu gestalten und im Alltag Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig entstehen Orte, an denen sie nicht leisten müssen, einen Platz finden, andocken können und mit wachsendem Vertrauen offener werden.
Kreativität & Erlebnis – Werkstatt, Musik, Theater und Lagerwochen in der Natur. Digital Detox wird hier nicht zum Verzicht, sondern zur Erfahrung: mit den Händen etwas schaffen, im Körper ankommen, Stille aushalten und echte Verbundenheit erleben.
Orientierung & Identität – Themenabende und Freizeiten zu Identität, Selbstwert, Sexualität und Lebensgestaltung. Lebensnah statt belehrend: Räume, in denen Fragen und der Austausch mit anderen Menschen haben.

Paare & Eltern in der Lebensmitte. Sie lieben sich – aber sie verlieren einander im Alltag
Beruf, Alltag, Verpflichtungen, Beziehung: alles gleichzeitig, alles dringend. Die Erschöpfung ist längst kein Ausnahmezustand mehr. Der Mental Load liegt oft unsichtbar, aber schwer. Gespräche, die wichtig wären, bleiben aus. Die Beziehung läuft – aber die Verbindung wird leiser.
Was viele Paare brauchen, ist nicht einfach ein weiteres Wochenende, das im Kalender landet und dann verpufft. Sie brauchen echte Entlastung – und Räume, in denen Beziehung wieder atmen kann.
Drei Säulen sind daraus entstanden:
Entlastung & Unterstützung – alltagsnahe Begleitung, praktische Unterstützung und bei Bedarf Entlastung bei Betreuung oder Organisation. Konkrete Hilfe, die Druck aus dem System nimmt und Paaren wieder Luft, Zeit und innere Präsenz füreinander schenkt.
Paarzeit & Beziehungsstärkung – Wochenenden für Paare, Kurse zur Rollenklärung und begleitete Räume für das Unausgesprochene. Orte, an denen man wieder ins Gespräch kommt, Spannungen sortiert und Verbindung bewusst erneuert, bevor Distanz zur Gewohnheit wird.
Gemeinschaft & Vernetzung – Paare zusammenbringen, generationenübergreifende Beziehungen ermöglichen und tragfähige Netzwerke wachsen lassen. Weil Beziehung aufblüht, wenn sie nicht isoliert bleibt, sondern von Gemeinschaft mitgetragen wird.

Was jetzt kommt
Wir haben auf der grünen Wiese gedacht und den Mut gehabt, neue Wege ins Auge zu fassen. Nun legen wir die Stimmen aus Zukunftswerkstatt, internen und externen Umfragen zusammen, hören aufmerksam hin und filtern Schritt für Schritt heraus, was im Kern bleibt.
Dazu gehört für uns auch das Gebet: Wir wollen herausfinden, wo unser Auftrag liegt – und wo nicht. Nicht alles, was möglich wäre, ist auch das, wozu wir gerufen sind. Gerade deshalb nehmen wir uns Zeit, sorgfältig zu unterscheiden, was in die Zukunft weist und was wir loslassen sollen.
Es bleibt spannend, und wir freuen uns darauf, die nächsten Schritte in Richtung Zukunft zu gehen. Danke an alle, die diesen Weg mittragen – im Gebet, mit Ermutigung und durch Unterstützung. Ihr macht es möglich.
